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Brücke und Bäume: Tatort Wollankstraße



Auch im Berliner Norden werden die Weichen für die Verkehrswende gestellt. Mit zahlreichen Baumaßnahmen zwischen den S-Bahnhöfen Wollankstraße und Schönholz wird die Schienen-Infrastruktur erweitert. Neues entsteht, Altes wird erneuert. Das ist auch notwendig. Denn mit der schrittweisen Einführung des Deutschland-Taktes werden deutlich mehr Züge durch die Hauptstadt rollen. Der perspektivisch zweigleisige Ausbau der Fernbahnstrecke, die anvisierte Einbindung der Heidekrautbahn, der Lückenschluss in Richtung Berlin-Gesundbrunnen, die Abstell- und Serviceanlage Berlin-Schönholz - all diese Maßnahmen erhöhen die Kapazität des Streckennetzes zwischen Wilhelmsruh und Gesundbrunnen, binden das nordöstliche Berliner Umland besser an - und sind daher nur folgerichtig. Rund um dem Bahnhof Wollankstraße sind umfassende Baumaßnahmen geplant, um diesen an die Herausforderungen zukünftiger Mobilität anzupassen.


Im Zuge dieser Arbeiten wird auch die über 120 Jahre alte Brücke über die Wollankstraße durch einen Neubau für S- und Fernbahn ersetzt. Der Planfeststellungsbeschluss wurde im Mai diesen Jahres gefasst und lag vom 26. Juni bis zum 10. Juli zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Am 17. Oktober präsentierte die DB Netz AG den Anwohner:innen im Rahmen einer Veranstaltung vor Ort die geplanten Maßnahmen.


Das Problem: Die DB hatte hier scheinbar lediglich ein Ticket zur einfachen Fahrt zur Verfügung gestellt. Oder anders formuliert: Das Projekt scheint kommunikativ eingleisig gestrickt. So zumindest der Vorwurf von Anwohnenden. Diese fühlen sich überrumpelt und nicht ausreichend einbezogen - quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Grundlegend wird das Verfahren an sich und die Art und Weise der Kommunikation kritisiert. So seien Einladungen "erst wenige Stunden" vor der Informationsveranstaltung eingegangen. Auch die Beteiligung am Planfeststellungsverfahren sei nicht für alle zugänglich gewesen.


Dass nicht ausreichend informiert und einbezogen wurde, zeigt sich konkret bei den bauvorbereitenden Maßnahmen zur Haupt-Baustelleneinrichtung im Bereich der Schulzestraße. Denn diese soll in einer Parkanlage entlang des Mauerwegs entstehen, auf der ein seit den 90er Jahren gewachsener Baumbestand steht. Das Vorhaben, alle Bäume zwischen S-Bahnhof Wollankstraße und Bürgerpark zu fällen, nährt die Zweifel, ob Natur- und Umweltaspekte ausreichend berücksichtigt werden. Ist die vollständige Rodung des Baumbestands tatsächlich "zwingend erforderlich" und "unvermeidlich"? Was ist konkret geplant, um Flora und Fauna (Mauer- und Zauneidechsen!) zu schützen und die Eingriffe möglichst gering zu halten? Wie erfolgt die Wiederherstellung der Stadtnatur?


Die Bürger*innen vor Ort setzen sich dafür ein, dass "Netzausbau und .. Erhalt der Bäume in Einklang" gebracht werden. Gemeinsame Lösungen sind das Ziel, "die den Interessen der Deutschen Bahn und den Belangen einer nachhaltigen und von den BürgerInnen getragenen Stadtentwicklung gerecht werden". Das setzt voraus, dass die Bahn keine voreiligen Fakten schafft. Bevor erforderliche Fällungen anstehen, muss es zu einem erneuten Austausch vor Ort mit den Anwohnerinnen und Anwohnern sowie den involvierten Ämtern kommen. Um zu informieren und zu beteiligen und um Vertrauen aufzubauen. Dafür setze ich mich ein, etwa durch die gezielte Ansprache der Bahn. Es geht immerhin um die Verkehrswende - und nicht minder um den Schutz von Stadtnatur.

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