Radverkehr Pankow – die Verkehrswende rollt … an




Mit dem Bau von Radinfrastruktur ist es wie mit dem Fahrradfahren selbst. Erst muss man in Tritt kommen, bevor es richtig rollt.


In 2018 kam das Berliner Mobilitätsgesetz (MobiG). Ein wichtiger Baustein darin: das Radgesetz. Wurde in Berlin jahrzehntelang der Aufbau von Radverkehrsinfrastruktur verschwitzt, ja gewissermaßen bewusst klein gehalten, galt es nun, die entsprechenden Voraussetzungen zur Umsetzung des MobiG zu schaffen. Neben den finanziellen Grundlagen mussten vor allem personelle Kapazitäten geschaffen und (Verwaltungs-)Strukturen umgestaltet werden. Das hat viel Kraft und Zeit in Anspruch genommen - und tut es auch weiterhin. Der Antritt erfolgte sozusagen am Berg. Ohne Gangschaltung.


Die Projekte in den Jahren 2017 bis 2019 können quasi an einer Hand abgezählt werden. Die Stahlheimer Straße wurde umgestaltet (inklusive Schutzstreifen), die Kniproder Straße bekam einen Schutzstreifen, am Pasedagplatz erhielt die Rennbahnstraße eine Querungshilfe für den Radverkehr, der Straßenbelag in der Erich-Weinert-Straße wurde fahrradkonform gestaltet und es gab einige Grünmarkierungen (Wisbyer Straße, Kastanienallee, Greifswalder Straße, Wicherstraße).


Erst als neue Radplaner gefunden und eingestellt werden konnten, hat sich die Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten für den Radverkehr beschleunigt. Das war Ende 2018. Der Ausbau kam ins Rollen. Nachfolgend ein Einblick in Pankows wachsende Radinfrastruktur.



Fahrradstraßen


Ein Schwerpunkt für Radverkehrsmaßnahmen liegt auf der Einrichtung von Fahrradstraßen. Bis 2023 sollen laut Fahrradstraßenkonzept des Bezirksamts ca. 20 neue Fahrradstraßen realisiert werden. Als Straßen wurden sogenannte Nebennetzstraßen (in Tempo-30-Zonen) ausgewählt, die schon Bestandteil des Berliner Fahrradroutennetzes sind. Die neuen Fahrradstraßen sollen die Lücken im Pankower Radroutennetz schließen und den Radverkehr im Bezirk sicherer und somit attraktiver machen.


Die Fahrradstraßen in der Choriner, Norweger- und Schwedter Straße werden inzwischen von der Ossietzkystraße ergänzt. Im Juli 2021 beginnen die Arbeiten zur Umwandlung der Stargarder Straße. Voraussichtlich im November wird die Maßnahme abgeschlossen sein. Als Teil der Nordspange (Fahrradroute TR2), die von der Jungfernheide bis nach Alt-Hohenschönhausen führt, ist diese neue Fahrradstraße dann Bestandteil des übergeordneten Fahrradroutennetzes von Berlin. Die Bizetstraße in Weißensee und die Oderberger Straße in Prenzlauer Berg sollen ebenfalls dieses Jahr eingeweiht werden. In der Entwurfsplanung sind bereits die Senefelder- und Dunckerstraße in Prenzlauer Berg. In Niederschönhausen sind die Waldstraße und der Güllweg, die im Anschluss an die Ossietzkystraße auch über die Stille Straße bis hin zur Nordendstraße und Birkenallee führen sollen, im Status der Vorplanung. Damit werden auf der Pankow-Route Pa1 „Blankenfelder Express“ weiter sichere Wege für Radfahrer:innen geschaffen. Die Kollwitz- und die Hufelandstraße in Prenzlauer Berg befinden sich ebenfalls in der Vorplanung. Diese Fahrradstraßen werden voraussichtlich nächstes Jahr realisiert.


Rollt, könnte Radfahrer:in jetzt sagen. Könnte. Zwar entstehen gerade neue Fahrradstraßen in Pankow. Am Verhalten der KfZ-Nutzer:innen scheint dies jedoch noch ein Stück vorbeizugehen. In der Ossietzkystraße fahren weiterhin zu viele Autos durch und gefährden Rad- wie Fußverkehr. Die eigentlich ausschließlich für Radfahrer:innen und Anlieger vorgesehene Straße wird seltener als vorher, aber doch immer noch als Ausweichroute zur chronisch überlasteten B96a genutzt. Modalfilter sind angezeigt und sind jetzt auch von der Bezirksverordnetenversammlung gefordert worden.



Radverkehrsanlagen (RVA)


Der einst als Temporärer Radstreifen, vulgo Pop-Up-Radweg, angelegte Abschnitt auf der Danziger Straße wird derweil in einen Dauerradweg umgewandelt. An einigen Stellen wurde die im MobiG festgesetzte Mindestbreite, initiiert durch einen Antrag der Bündnisgrünen in Pankow, auf vier Meter erweitert, um das Überholen zu erleichtern (z. B. nach der Kreuzung Danziger/Greifswalder Str.). Das ist Berlins erster Radweg mit Überholspur.


Der Neubau des Rosenthaler Wegs in Französisch Buchholz ist inzwischen abgeschlossen, einschließlich beidseitiger Radverkehrsangebotsstreifen. Ein wichtiger Lückenschluss für die „Karow-Tangente“ und die Nord-Süd-Verbindung vom Tegler Fließ bzw. dem Berliner Umland über Blankenfelder, Berliner und Pasewalker Straße bis zum S-Bahnhof Heinersdorf.


Im Straßenzug Berliner Straße bis Pasewalker Straße (Höhe Eweststraße) wurde eine neue RVA angelegt, die, wie ich finde, aufgrund ihrer Breite einmalig im Bezirk ist. Die Fahrbahnen wurden beidseitig in zwei gleichwertige Spuren jeweils für den fließenden motorisierten Verkehr und für Radfahrer:innen aufgeteilt. Ein sehr gutes Beispiel für Flächengerechtigkeit. Die Radwege entlang der Pasewalker wurden ja bereits weitgehend erneuert. Nach der Sanierung der Löffelbrücke (inklusive RVA bis zur Feuerwehr) fehlt nun noch lediglich der zweite Bauabschnitt von der Galenusstraße bis zum S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf, ist aber bereits in der Entwurfsplanung. Voraussichtlich 2024 wird dieser letzte Abschnitt der RVA erneuert. Wichtige Schritte beim Auf-, Um- und Ausbau der Pankow Routen „Blankenfelde-Malchow“ und „Buchholz Express“.


An den vier Fahrradampeln der Kreuzung Prenzlauer Allee/Prenzlauer Promenade/Ostsee-straße/Wisbyer Straße sind übrigens die ersten Warte-Trittbretter für Radler:innen installiert worden. So können Radler:innen beim Halt den Fuß abstellen und müssen nicht absteigen. Das erleichtert den Antritt, wenn die Ampel auf Grün springt. Die dortig neu angelegt RVA in der Ostseestraße schafft eine direkte Verbindung über die Wisbyer Straße zur Schönhauser Allee.


Weitere Radinfrastruktur befindet sich kurz vor der Umsetzung, wie z. B. in der Neumannstraße, Berliner Allee (Gehringstr. bis Nachtalbenweg) oder in Alt-Karow (alle in Ausführungsplanung), Schönholzer Weg, Weg am Fließgraben, Storkower Straße (alle in Entwurfsplanung). In Planungsvorbereitung sind die Blankenfelder Chausee und die Berliner Straße in Französisch Buchholz. An vielen Knotenpunkte wurden zudem die Radfurten rot eingefärbt, um alle Verkehrsteilnehmer*innen zu erhöhter Aufmerksamkeit zu bewegen.


Der Ausbau der Abstellanlagen, die Teilnahme Pankows am Modellprojekt „fLotte Kommunal“, bei dem kostenlos Lastenräder ausgeliehen werden können, auch die Neueröffnung der Königsteinbrücke, die als Teil des Berlin-Usedom-Radweges Buchholz mit Karow und Buch verbindet, sind weitere Bausteine für eine nachhaltige Mobilität im Bezirk.


Bis Berlin eine fahrradgerechte Stadt ist, müssen wir noch einen weiten Weg zurücklegen. Keine Frage. Es ist ein umfassendes Projekt, das noch viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Auch weil wir den Umweltverbund insgesamt stärken wollen. Es gibt viele Stellschrauben, an denen wir drehen müssen. Auch auf Bundesebene. Stichwort „Straßenverkehrsordnung“ und „Voraussetzungen für eine echte Verkehrswende“ (->https://www.stefan-gelbhaar.de/stvo-reform). Und: Nicht bei allen Menschen ist die dringliche Notwendigkeit der Mobilitätswende bereits im Kopf angelangt. Das zeigt sich täglich auf den Straßen dieser Stadt. Dennoch zeigen diese Beispiele: Der Antritt liegt hinter uns, wir rollen. Das ist inzwischen unübersehbar. In Berlin. In Pankow. Jetzt gilt es weiter Fahrt aufzunehmen.